Die Mauer im Kopf

Dreißig Jahre ist das jetzt her. Die Mauer. Damals, in der DDR, durften wir den Namen nicht aussprechen, die Mauer nicht sehen. Reglementierter Sprachgebrauch: „Antifaschistischer Schutzwall“. 

Sprache beeinflusst das Denken. 

Noch heute sehe ich die Mauer zwiespältig. Sie war tatsächlich Schutz und Gefängnis zugleich. 

Heute ist das unsagbar, nein – undenkbar! Mit all den Mauertoten und den Grausamkeiten, die an dieser Mauer geschahen, eben: unsagbar und unsäglich. Und doch meine Wahrheit.

Die Mauer, sie hat mein Leben verändert und bestimmt. Als sie da war – und noch mehr, als sie fiel. 

©2019 Andrea Bernard
[91 words. Writing: 4 minutes; editing 5 minutes]

One thought on “Die Mauer im Kopf

  1. Ich komme von der anderen Seite der Mauer, auch für mich war sie immer im Kopf da als etwas Unveränderliches. Manchmal haben wir sie auch den antifaschistischen Schutzwall genannt. Die vernachlässigbare Menge der DKP-ler nannte sie ganz im Ernst so. Nun ja, die waren irgendwie auch spießig und erklärten in Diskussionen immer in der DDR gäbe es doch Bananen. Ich fand das lächerlich, schließlich dachte ich in meiner Jugend in größeren Zusammenhängen. Fahrten nach Berlin mit Auto oder Zug waren der nackte Horror. Der Grenzübergang nach Ost-Berlin bzw. der Hauptstadt der DDR war wie ein Besuch in der Geisterbahn. Im Osten konnte man als Bundesbürger preiswert Bücher und Wodka kaufen, deshalb der Ausflug. Zu wirklichen Gesprächen kam es dabei nie. Ich erinnere mich, dass mein damaliger Freund und ich einmal auf dem Alexanderplatz von einem Mann angesprochen wurden, der uns im besseren Teil Deutschlands willkommen hieß. Nun ja, wir waren mit vielem in der Bundesrepublik nicht einverstanden, aber sein Sprachdiktus erinnerte uns an eine Kreuzung von einem DKP-ler und einem Zeugen Jehovas. Wir sind am frühen Abend wieder ausgereist. Gut dass das Ding – diese Mauer- endlich weg ist. Aber in meinem Kopf ist sie auch noch. Über das Leben in der DDR habe ich erst etwas nach dem Mauerfall erfahren; durch Bücher und Gespräche mit einer Leipziger Freundin. Die Unterschiede zwischen uns sind nicht groß.

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