Tunnelvision

Plötzlich schlittert der BMW, wir rutschen Richtung Straßenrand, dann über den Bordstein in eine Waldgebiet und kommen an einem Laternenmast zum Stehen. Aber all das wird erst im Nachhinein klar. Es geht unfassbar schnell. Eben noch auf dem Weg zum Flughafen und in der nächsten Sekunde komplette Stille. Wir steigen aus und ich sage: „Schnell, wir rufen ein Taxi, dann schaffe ich es noch zum Flughafen.“ Meine Mutter holt ihr Handy raus und telefoniert, wenige Minuten später sind wir auf dem Weg. „Ich muss meinen Flug kriegen“, ist alles, was ich denken kann. Am Flughafen, ich sitze in der Abflughalle Richtung Japan. Entspanne mich. Und dann beginnen die Kopfschmerzen. Ich steige ins Flugzeug ein, sie werden schlimmer. Die Flugvorbereitungen beginnen, ich bekomme Herzklopfen. Wenn ich nun doch verletzt bin? Ich beginne zu ventilieren, schließlich wird eine Stewardess auf mich aufmerksam. „Ich hatte einen Autounfall auf dem Weg zum Flughafen. Und jetzt tut mir der Kopf weh.“ Der Flug geht ohne mich und ich ins Krankenhaus. So fühlt es sich wohl an, wenn man nach einem Unfall einen Schock hat.

© Andrea Bernard

Die Mauer im Kopf

Dreißig Jahre ist das jetzt her. Die Mauer. Damals, in der DDR, durften wir den Namen nicht aussprechen, die Mauer nicht sehen. Reglementierter Sprachgebrauch: „Antifaschistischer Schutzwall“. 

Sprache beeinflusst das Denken. 

Noch heute sehe ich die Mauer zwiespältig. Sie war tatsächlich Schutz und Gefängnis zugleich. 

Heute ist das unsagbar, nein – undenkbar! Mit all den Mauertoten und den Grausamkeiten, die an dieser Mauer geschahen, eben: unsagbar und unsäglich. Und doch meine Wahrheit.

Die Mauer, sie hat mein Leben verändert und bestimmt. Als sie da war – und noch mehr, als sie fiel. 

©2019 Andrea Bernard
[91 words. Writing: 4 minutes; editing 5 minutes]